Syrien

geschrieben im August 2012 und immer noch gültig

Abend für Abend sind es dieselben Bilder. Schreckliche Szenen aus Syrien, die vor allen Dingen eines suggerieren sollen: Assad ist der Böse und die Aufständischen sind die Guten. Wer denkt dabei schon daran, dass es die Amerikaner waren, die bereits 2004 in Ihrem Greater Middle East Project einem Machtwechsel im „Schurkenstaat“ Syrien das Wort redeten. Eines der Ziele dieses Projects – der genaue Titel heißt Partnership of Peace – ist es, möglichst viele militärische Stützpunkte in der Region zu schaffen, was einem Verdrängen des russischen Einflusses gleich kommt. Eine höchst gefährliche Veränderung der ausbalancierten Machtverhältnisse zwischen Ost und West.

Wer denkt schon daran, dass es Saudiarabien war, das im Jahr 2007 versprach, syrische Freiheitskämpfer materiell zu unterstützen, um das Land zu destabilisieren. Wer denkt schon daran, dass in der Zwischenzeit Al Quaida-Krieger gegen das Assad-Regime kämpfen und die Christen in diesem Land vermutlich zu den Verlierern gehören werden. Emotional haben wir uns, zumindest die meisten von uns, auf die Seite der Freiheitskämpfer gestellt, ohne zu hinterfragen, wen wir dabei unterstützen. Die Medien haben uns in die richtige Richtung getunt. Das hat schon was, wenn Kommentatoren in den Medien und Politiker fordern, die Waffenlieferungen nach Saudiarabien zu stoppen, und wenn diese Leute im gleichen Atemzug für eine Unterstützung der Freiheitskämpfer in Syrien eintreten, die genau von dem von ihnen verdammten Saudiarabien unterstützt werden. Und wir nicken ihnen, vor den Bildschirmen zurecht gerückt, auch noch zu.

Wie auch in den anderen arabischen Staaten, also einem einheitlichen Muster gemäß, begannen die Revolten in Syrien mit Demonstrationen, in denen ein Mehr an Demokratie eingefordert wurde. Das ist ja durchaus begrüßenswert und hätte vom Assad-Regime als Chance wahr genommen werden müssen, die letzte Chance um der sich anbahnenden Katastrophe zu entgehen. Im Schlepptau dieser zuerst friedlichen Demonstrationen entwickelten sich jedoch Kampfhandlungen, genau so, wie es von denen gewünscht war, die diese Region unter ihre Kontrolle bringen wollten.

Am Ende wird nicht die Demokratie siegen, sondern am Ende wird ein islamisch ausgerichteter Staat stehen, der und das ist der Preis, den die arabische Welt zu zahlen bereit ist, wirtschaftlich und militärisch sich dem Westen gegenüber und nicht !! Russland gegenüber verpflichtet fühlt. Somit wären die kostbaren Schätze – man denke nur an die riesigen Erdölvorkommen – des Nahen Ostens in der Einflusssphäre des Westens. Ein äußerst riskantes Spiel, das der Westen unter Zuhilfenahme der Dienste Quatars und Saudiarabiens hier spielt.

Mit dem Fall Syriens gewänne Saudiarabien an Einfluss im persischen Golf. Und damit sind wir bei der zweiten Ebene des Konfliktes, nämlich beim Kampf von Schiiten gegen Suniten. Mit dem Fall Syriens zerbräche die schiitische Achse Syrien – Iran. Endlich wäre der letzte große „Schurkenstaat“ Iran isoliert. Der Krieg in Syrien ist also letztlich ein Stellvertreterkrieg zwischen den beiden großen Kontrahenten in dieser Region: nämlich zwischen dem Iran und Saudiarabien.

Der Grund, weshalb Saudiarabien in Bahrain einmarschierte, um den dortigen sunitischen Glaubensbrüdern zu helfen, bestand einzig und allein darin, die dortige sunitische Vorherrschaft aufrecht zu erhalten und den iranischen Einfluss gar nicht erst auf dieser Seite des Golfes aufkommen zu lassen. Dass sich die Demonstrationen nicht wie in den anderen arabischen Staaten zu einem Umsturz des Regimes hin entwickelten, liegt also auf der Hand. Die Unterstützer der aufständischen Schiiten sind die Iraner und der Iran ist ja genau der Feind, den es zu eliminieren gilt. Es gibt also wenig Chancen auf einen arabischen Frühling in Bahrain. Sie sehen schon, dass es in all den Konflikten weniger um Demokratie geht, sondern um andere Interessen. Das scheinheilig geäußerte Anliegen nach Einführung demokratischer Strukturen dient nur als Feigenblatt.

Neben dieser zweiten Ebene gibt es auch noch eine dritte Ebene. Das ist der immerwährende israelisch-palästinensische Konflikt, der die Gewalt in der Region am Köcheln hält. Die äußerst dummen Äußerungen von Syriens Assad und Irans Ahmadinedschad in Sachen Israel hätten ungeschickter nicht sein können. Damit haben die beiden ihr Todesurteil selbst unterschrieben. Rechtfertigen diese Äußerungen doch, zumindest in den Augen der Gegenspieler, ein militärisches israelisches Eingreifen gegen diese beiden Staaten.

Wenn also kein hinreichender Grund für den Fall des Iran gefunden werden kann, dann muss die israelische Argumentationskette für die Zerstörung des Iran herhalten. Mit der Zerschlagung der Achse Syrien-Iran lässt sich auch die Hisbollah empfindlich schwächen. Hätten, ja hätten die beiden Herrscher in Syrien und dem Iran, Assad und Ahmadinedschad, doch die Zeichen der Zeit erkannt und ihren Völkern mehr Freiheiten zugestanden, dann hätten sie ihren Völkern und der ganzen Welt viel Leid ersparen können. Sie sind genauso verblendet wie ihre Gegner. Sie haben die Zeichen nicht erkannt und so steht der Nahe Osten vor einem Trümmerhaufen und wenn wir nicht aufpassen, dann wird Europa mit in diesen Konflikt hineingezogen.

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