Russland

Als sich China bereits zu einer Großmacht entwickelt hatte, fand die Geburt Russlands gerade erst statt. Es muss wohl im 9. Jahrhundert gewesen sein, als sich die ersten Staatengebilde um Nowgorod und Kiew etablierten. Wenn man den Geschichtsatlas bemüht, dann sieht man, dass sich Russland seit dieser Zeit immer weiter ausdehnte. Stellvertretend für den Expansiondrang seien hier nur drei Persönlichkeiten genannt: Iwan der Große, Iwan der Schreckliche und Katharina II.

Die größte Ausdehnung erreichte Russland infolge seiner kontinuierlichen Expansionspolitik nach 1945. In Russland regierten Zaren, deren kommunistischen Nachfolger und bis zum I. Weltkrieg auch Großfürsten. Russlands Geschichte war stets eng verknüpft mit der russisch-orthodoxen Kirche. Diese Kirche hat im Zusammenspiel mit den Großfürsten und dem Zaren Kulturgüter von absoluter Weltgeltung geschaffen. Zwar wurde die Kirche in den Zeiten des Kommunismus in den Hintergrund gedrängt, wird aber jetzt wieder in das politische Kalkül mit einbezogen.

Ein jähes Ende erlebte Russlands Expansionspolitik mit dem Einsetzen der Perestroika. Immer mehr Staaten des ehemaligen Sowjetreiches wandten sich von Russland ab und dem Westen zu. Mit dem Zerfall des Sowjetreiches und dem Aufbau eines Raketenschirms durch die Nato fühlten sich viele Russen und nicht nur deren Führer gedemütigt. Trotzdem versuchten sie eine Annäherung an den Westen, waren aber für diesen nie gut genug. Selbst die wunderbaren Spiele von Sochi wurden von den westlichen Medien schlecht geredet. Putin beendete diese Schmach und spiegelt in seinem Verhalten ziemlich genau die Wünsche einer russischen Mehrheit wider.

Putin ist nicht der Despot, wie er vom Westen gezeichnet wird, er ist die Verkörperung der russischen Wünsche. Die Menschen in Russland haben im Laufe der Jahrhunderte eine extreme Leidensfähigkeit entwickelt und sind vermutlich bereit, für ihr Vaterland alles zu geben. Im Westen wird diese Art des Patriotismus wohl unterschätzt. Hier schielt man auf die Demonstrationen in Moskau und hofft, dieses Land durch Unterstützung der Demonstranten destabilisieren zu können. Ein höchst gefährliches Unterfangen.

Auf Grund ihrer Geschichte haben China und Russland nun einmal ein anderes Verständnis von Demokratie. Der Versuch, westliche Modelle diesen Ländern überzustülpen, kann nicht gelingen. Anders als im Rest Europas hat sich kein breites Bürgertum entwickelt. Dieses Bürgertum ist jedoch die entscheidende Voraussetzung für eine Demokratie.

Fazit: Eine weitere Einengung des russischen Einflusses durch den Westen und eine Einmischung des Westens in die inneren Angelegenheiten Russlands könnte sich als fürchterlicher Bumerang erweisen. Es ist, als ob man einen angeschlagenen Bären in einen immer enger werdenden Käfig zwängen möchte. Will man einen III. Weltkrieg verhindern, so ist ehrliche Kooperation anstatt Konfrontation gefragt. Bei einer weiteren Konfrontation ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Andreas Angermeir

P.S. Bei der nächsten Aktualisierung der Homepage gibt es einen Artikel über USA.

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