Naher Osten

Syrien ist durch die Flüchtlingsströme in den Focus geraten. Dass der Westen diesem Land längst mehr Aufmerksamkeit hätte schenken müssen, merken unsere Politiker erst jetzt. Wer denkt schon daran, dass es Saudiarabien war, das im Jahr 2007 versprach, syrische Freiheitskämpfer materiell zu unterstützen, um das Land zu destabilisieren. Die Destabilisierung Syriens war also ganz offensichtlich gewollt.

Was könnte der Grund für eine Destabilisierung Syriens gewesen sein?

1. Syrien und der Iran sind enge Verbündete. Der Iran ist Saudiarabiens größter Konkurrent im Streben um die Vorherrschaft am persischen Golf. Durch die Destabilisierung Syriens könnte man also den Iran schwächen; so das Kalkül.

2. Außerdem sollte wohl der Einfluss der Sunniten gestärkt werden. Die Religionsgemeinschaft der Alawiten, zu denen Baschar al Assad gehört, steht den Schiiten näher als den Sunniten. Die Mehrzahl der Syrer sind Sunniten. Die Iraner sind fast durchwegs Schiiten. Man hätte also mit einem Sturz von Baschar al Assad den Sunniten in Syrien zur Macht verhelfen können und damit die Schiiten insgesamt schwächen und den Iran noch ein Stück weiter isolieren können.

3. Mit dem Sturz von Baschar al Assad hätte man so ganz nebenbei ein Rußland freundliches Regime eliminiert, was gleichbedeutend mit einer Schwächung Russlands gewesen wäre. Die Russen hätten damit die einzige Basis im Mittelmeer, nämlich den syrischen Mittelmeerhafen Tartus nahe Latakia, verloren. Haben die westlichen Politiker tatsächlich geglaubt, dass Russland diesem hinterlistigen Spiel tatenlos zusehen würde? Was für naive Politiker waren da am Werk?

4. Die türkische Regierung duldet bekanntlich keine Opposition im Lande. Ein Teil der Opposition stammt jedoch aus den Reihen der türkischen Alaviten. Was liegt also näher als den ebenfalls zu den alawitischen Glaubensbrüdern gehörenden Assad zu entmachten. So nebenbei kann Erdogan mit seinem Kampf gegen Assad auch noch die oppositionellen Kurden niederringen.

Was wurde bisher erreicht?

Eine große Zahl an Flüchtlingen strömt nach Europa. Sie sind in der Lage, Europa wenn nicht zu destabilisieren, so doch große Probleme zu bereiten. Die Schwächung Europas bedeutet übrigens im Umkehrschluss auch eine Stärkung der USA. Eine Schwächung Europas, das sich in den letzten Jahren so vehement gegen Russland gewandt hat, wäre sicherlich auch im Interesse Russlands. Saudiarabien, das bereits angeboten hat, für die sunnitischen Glaubensbrüder in Europa 200 Moscheen zu spenden, zeigt mit dieser Geste sehr deutlich, dass es einer Expansion des Islam nach Europa nicht abgeneigt ist. Für die Islamisierung der Welt ist dies zwar ein kleiner, aber ein nicht zu unterschätzender Schritt. Paradoxerweise dient der Flüchtlingsstrom dem Ziel nach der Vorherrschaft des Islam. Es könnte also durchaus Interesse einiger Staaten liegen, den Flüchtlingsstrom nicht zum Versiegen kommen zu lassen.

Wenn Russland nun Assad zu Hilfe eilt, dann ist das, wie oben erwähnt, in erster Linie zur Wahrung eigener Interessen. Der Westen wird das Eingreifen Russlands jedoch als den Kampf gegen die Gegner Assads werten und nicht als einen entscheidenden Schlag gegen den IS. Damit kann der Streit zwischen Putin und Obama weiter eskalieren. Da die Mehrheit der Syrer sunnitischen Glaubens ist, wird es für Russland und Assad schwierig, Syrien zu befrieden. Die sunnitischen Syrer werden also auch weiterhin Syrien in Massen verlassen. Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist also nicht in Sicht. Europa sehnt aber das Ende des Flüchtlingsstroms geradezu herbei. So ganz nebenbei bemerkt, wird durch den Flüchtlingsstrom das Augenmerk so sehr auf die Flüchtlingsdebatte gerichtet, dass quasi hinter dem Rücken der Allgemeinheit TTIP weiter vorangetrieben werden kann.

Fazit:

Im Nahen Osten stehen sich religiöse Gruppen feindlich gegenüber, Muslime, Christen und Juden. Innerhalb der Sunniten gibt es auch noch Konflikte zwischen Gemäßigten und Radikalen. Dazu kommt noch ein West-Ostkonflikt – Putin gegen Obama – und ein Nord-Südkonflikt – Iran versus Saudiarabien. Außerdem pochen verschiedene Ethnien auf territoriale Souveränität. Dazu kommt noch, dass in dieser Region die größten Erdöl- und Erdgasvorkommen der Welt liegen. Wir sehen also, dass die Lage extrem kompliziert ist und dass es für alle Seiten äußerst schwierig sein wird, eine Einigung zu erzielen. Wer durchtrennt den Gordischen Knoten?

Die Lösung:

Eine Lösung bestünde m.E. in einer territorialen Neuorientierung des gesamten Nahen Ostens: Die Kurden müssten, wie auch die Palästinenser, einen eigenen Staat bekommen und Syrien wird geteilt, in einen alawitischen und in einen sunnitischen Staat. Streithähne muss man zuerst einmal trennen, bevor sie langsam wieder aufeinander zugehen können. Das würde allerdings von einigen Staaten Verzicht bedeuten und dazu ist wohl niemand bereit. Das Chaos wird also weiter bestehen. Man kann nur hoffen, dass das Pulverfass Naher Osten nicht explodiert und in einem großen Krieg zwischen Ost und West endet – Andreas Angermeir.

 

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