Türkei

Die beste Tarnung ist die Wahrheit. Die glaubt einem keiner.

Diese Worte stammen aus Max Frischs Biedermann und die Brandstifter. Wie wahr. Nur so kann man verstehen, dass Recep Tayip Erdogan so unbehelligt seine Macht ausbauen konnte. Weshalb Erdogan? Weil er es war, der unverblümt und ungestraft genau das seit langem sagt, was jetzt in der Türkei passiert. Und manche Politiker tun auch noch so, als wären sie überrascht von Erdogans Handeln. Nein, Erdogan hat nie ein Hehl aus seinen Ambitionen gemacht. Deshalb sei an dieser Stelle noch einmal auf die folgenden Zeilen hingewiesen, die er bei einer Rede zitiert hat. Er sagte damals:

Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.

Diesen Satz müssten alle westlichen Politiker auswendig lernen, damit sie verstehen, was in der Türkei gegenwärtig vor sich geht. Vielleicht würden sie aufhören, die Türkei so zu hofieren wie sie das jetzt tun, allen voran Frau Merkel. Warum fühlt sich Erdogan so stark? Weil er glaubt, dass die Türkei unverzichtbar für den Westen wäre und zwar auf unterschiedlichen Gebieten: innerhalb der Nato, in der Flüchtlingsfrage und in der Wirtschaft. Ich frage mich, wie eine Türkei in der momentanen Verfassung unsere westlichen Werte verteidigen kann? Das Gegenteil ist doch der Fall. Wir müssen uns vor der Türkei schützen! Die Türkei kämpft im Osten gegen die Kurden. Im Süden gibt es Streit mit Syriens Assad. Im Norden ist der ungeliebte Nachbar Russland. Im Inneren gibt es Konflikte mit der Gülenbewegung.

Wenn die Türkei also aus der Nato ausgeschlossen würde, dann wäre dieses Land militärisch isoliert. Verstärken könnten wir den Effekt, indem wir die Kurden und die Syrer, zumindest politisch, im Kampf gegen Erdogan unterstützen würden. Damit ließe sich auch der Flüchtlingsstrom eindämmen. Bezüglich der Flüchtlingsfrage könnten wir darüber hinaus nach australischem Vorbild vorgehen und wirtschaftlich könnten wir der Türkei ebenfalls die kalte Schulter zeigen. Wir brauchen Erdogan nicht. Er braucht uns. Wenn der Westen nicht umgehend reagiert, macht er sich schuldig an den Verbrechen, die Erdogan an seinen Landsleuten täglich verübt.

 Andreas Angermeir

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