Wirtschaftswunderland Deutschland

Wir schaffen es, weil Deutschland ein reiches Land ist. Diese Begründung steckte wohl hinter all den Ankündigungen, die uns alle möglichen Bürden zumuteten, ob das die finanzielle Rettung der Südländer war oder die Aufnahme von Flüchtlingen. Uns, dem Musterschüler der EU, geht es doch besser als all den anderen in Europa.

Bei einer vor ein paar Jahren in der EU gemachten Umfrage, die darauf abzielte, herauszufinden, in welchem europäischen Land die Bürger am reichsten sind, belegten die Deutschen lediglich einen Mittelplatz. Das für viele seltsam anmutende Ergebnis wurde von der Presse dadurch relativiert, dass man die Umfrage mit dem Statement abqualifizierte, man habe bei der Umfrage die falschen Abfragekriterien angewandt. Man hätte zu sehr das Wohneigentum gewichtet. Dabei ist es doch wahrlich interessant, ob ich mir ein eigenes Heim leisten kann oder nicht. Man wollte einfach nicht wahrhaben, dass die Deutschen gar nicht so wohlhabend sind wie wir uns selbst immer vorgaukeln.

Seitdem ich im Ruhestand bin, kann ich mir bei meinen Reisen quer durch Europa – vornehmlich Frankreich, Italien, Österreich und Niederlande – ein recht gutes Bild von diesen Ländern machen. Gerade wer mit dem Caravan unterwegs ist, spürt in welchem Zustand die Straßen sind. Und da schneidet Deutschland am schlechtesten im Vergleich mit den oben erwähnten Ländern ab. Holprige, geflickte Straßen, häufig Staus und zum Teil Autobahnraststätten und Autobahnparkplätze, die in einem erbärmlichen Zustand sind, machen das Autofahren in Deutschland zum Dauerstress. Es ist geradezu wohltuend, wenn man endlich die deutsche Grenze überschreitet und stressfrei Auto fahren kann.

Selbst in Italien ist Auto fahren angenehmer als hierzulande, ganz zu schweigen von Frankreich, wo Auto fahren zum Genuss wird. Ein anderes augenfälliges Beispiel sind die Kreisverkehre, die in keinem Land so armselig gestaltet sind wie in Deutschland, von einigen Ausnahmen mal abgesehen. Da scheint einfach kein Geld vorhanden zu sein, obwohl doch gerade die Kreisverkehre so etwas wie die Aushängeschilder von Ortschaften sind. Selbst die Campingplätze können im internationalen Vergleich nicht mithalten. Auch in diesem Punkt ist das „arme“ Frankreich uns haushoch überlegen. Die superschnellen Züge gibt es übrigens in Frankreich und nicht in Deutschland. Ganz zu schweigen von Japan, wo sich ein Shinkansenzugführer rechtfertigen muss, wenn er auch nur 10 Sekunden zu spät zum Halten kommt. In Deutschland würde sich ein Zugführer auf die Schulter klopfen, wenn ihm ein so pünktlicher Halt gelänge.

Wo ist denn das Wirtschaftswunderland Deutschland? Auf dem Gebiet der Infrastruktur kann ich es jedenfalls nicht finden. Hier machen uns die Politiker und die Medien wohl etwas vor, um uns gefügiger für weitere Wohltaten oder blind für das Versagen unserer Politikerkaste zu machen. Der Bundespräsident bläst übrigens ins selbe Horn wie Frau Merkel und Co. Neben der Infrastruktur könnte man auch noch das Bildungswesen – siehe PISA – anführen und, und, und. Ich will es für heute bei der Infrastruktur belassen. Mir reicht`s. Im übrigen glaube ich, dass es Zeit ist, dass Merkel abtritt.

Andreas Angermeir

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