Obamas letzte Schlacht

Ich finde Obama äußerst sympathisch. Er ist ein brillanter, begnadeter Redner. Diese Eigenschaft hat ihm den Weg ins Weiße Haus geebnet. Seine Reden waren so großartig, dass sie ihm sogar den Nobelpreis eingebracht haben. Seine Rhetorik, ja seine ganze Erscheinung haben uns alle geblendet. Weltweit hat sein beschwingter Gang die Treppen hinauf an ein Rednerpult viele Nachahmer gefunden. So hätte man ihn eigentlich in Erinnerung behalten können, gemäß der alten Weisheit: Der erste Eindruck prägt und der letzte Eindruck bleibt.

Warum lässt er sich nun am Ende seiner Amtszeit zu solch kindischen Attacken hinreißen? Warum glaubt er, Putin jetzt noch eins auswischen zu müssen? Mit seinem katastrophalen Satz, dass Russland nichts als eine Regionalmacht ist, hat er Russland provoziert, hat mitgeholfen, dass sich die Russen noch stärker hinter Putin stellten. Er hat Putin herausgefordert und musste zusehen, wie dieser ihn regelrecht vorführte. Er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Welt in einem derart desolaten Zustand ist, wie sie zur Jahreswende nun einmal ist.

Wenn man genauer hinschaut, dann hat er in seiner Amtszeit mehr zu einer Spaltung als zu einer Versöhnung in dieser Welt beigetragen. Warum ließ er die UN-Resolution gegen Israel passieren? Selbst wenn diese rote Karte für den Siedlungsbau absolut richtig sein mag, warum jetzt? Vielen von uns sind die beiden großen Reden in Prag und Kairo kurz nach seinem Amtsantritt noch in Erinnerung. In Prag forderte er eine atomwaffenfreie Welt und in Kairo kritisierte er den Siedlungsbau der Israelis. Warum hat er damals nicht vehement eingegriffen? Damals hätte er gestalten können, da noch viele Jahre des Regierens vor ihm lagen. Jetzt hat man das Gefühl, dass er eigentlich nur nachtreten will, beleidigt und trotzig zugleich. Das machen kleine Kinder, aber keine reifen Menschen. Das macht man schon gar nicht, wenn man das mächtigste Amt der Welt innehat.

Obama zeigt in seinen letzten Amtstagen, dass er unfähig ist, Außenpolitik zu gestalten. Er hat es nie gekonnt. Er war immer ein Getriebener und wenn er Akzente setzen wollte, dann waren es die falschen. Hätte er sich doch in den letzten Wochen seiner Amtszeit nur zurück gehalten, dann wäre er als sympathischer Präsident in Erinnerung geblieben. So befleckt er selbst ohne jede Not sein Image. Schade Mr. President.

Andreas Angermeir

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