Schulz contra Merkel

Erdogan, Putin und Trump kommen in ihren Heimatländern gut an. Sie erhalten mit Sicherheit deshalb so hohe Zustimmungswerte, weil sie sich als starke Führungspersönlichkeiten geben. Der starke Führer ist gefragt wie nie zuvor. Einer, der den anderen zeigt, wo es lang geht, der vorne weg marschiert in welche Richtung auch immer.

Nun hat auch Deutschland einen, der sich als starker Führer ausgibt. Er heißt Martin Schulz. Er heilt die Wunden einer Partei, deren Spitze mit der Agenda 2010 viele SPD-Mitglieder und SPD-Wähler verärgert hat. Auf dem Parteitag am 19. März 2017 hat Martin Schulz in den Saal gebrüllt wie er mit anderen, die nicht in sein Schema passen, umgehen wird. Viel Krach, viele laute Worte, ein wütendes Bellen in viele Richtungen. Er ist für ein Europa, ein Europa, dem er zusammen mit J. C. Juncker über Jahre vorstand – dem sog. Schunker-Europa – und in dem genau während seiner Zeit die Europamüdigkeit weiter fortschritt. Dass er für diesen Niedergang der Zustimmungswerte für Europa mitverantwortlich ist – zusammen mit Juncker -, kommt ihm überhaupt nicht in den Sinn. Er und niemand anders war doch der Präsident im europäischen Parlament!

Und die Medien liegen ihm zu Füßen. Sie sprechen sogar – siehe oder besser höre br2 – von einem guten Populisten. Kaum Kritik. Die augenblickliche Euphorie lässt alles in einem rosaroten Licht erscheinen. Sein Siegeswille ist so groß, dass er in der Lage ist, seine Partei mitzureißen und tatsächlich zu neuen Höhen zu führen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er dem Wunsch nach einem starken Führer in den Augen vieler Deutscher entspricht und er aus diesem Grund der nächste Bundeskanzler sein könnte, wohlgemerkt könnte. Er hat das Glück, dass ihm mit A. Merkel eine Gegnerin gegenübersteht, der so mancher Deutscher in der Zwischenzeit überdrüssig ist. Irgendwie ist sie verbraucht. Man will etwas Neues auf dem Bildschirm sehen. Das ist die große Chance von Martin Schulz. Die Abenddämmerung der einen ist die Morgendämmerung des anderen. Auch das Versagen in der Flüchtlingskrise wird Merkel einige Stimmen kosten, während Martin Schulz sich aus dieser schwierigen Frage elegant heraushalten wird.

Ob Martin Schulz tatsächlich der nächste Kanzler werden wird, hängt jedoch entscheidend vom Abschneiden der Grünen und der Linken ab. Es sind ausgerechnet jene Parteien, zu deren Lasten seine Stimmengewinne gehen, nicht ausschließlich, aber doch zur Hälfte. Darüber hinaus sind diese Parteien in ihrer Spitze so schlecht besetzt, dass es wohl in der Summe nicht für rot-rot-grün ausreichen wird. Der einzige Lichtblick ist Sarah Wagenknecht, aber das reicht nicht. Es dürfte wohl wieder zu einer großen Koalition kommen. So wird es doch nichts werden aus dem Quartett Erdogan, Putin, Schulz und Trump. Schulz hätte von seinen Charaktereigenschaften her so gut in dieses Quartett gepasst.

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