Bundestagswahl

Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen so langweiligen Wahlkampf erlebt zu haben wie den in diesem Jahr. Von Kampf kann hier absolut nicht die Rede sein. Insgeheim denkt wohl jeder, dass wir die Merkel auch nach der Wahl noch als Kanzlerin ertragen müssen. Ihr Geschwätz mit der Alternativlosigkeit haben die Menschen bereits auf die Person Merkel übertragen und glauben, ja sind davon überzeugt, dass es keine Alternative zu ihr gibt. Ihre hinlänglich bekannte Strategie verfängt offensichtlich auch in diesem Jahr wieder. Sie setzt sich gewissermaßen zu uns ins Boot, tut so, als ob sie eine von uns Bürgern wäre und mit den von ihr mitverschuldeten Problemen nichts zu tun hätte.

So macht sie die Automobilindustrie auf deren Verantwortung aufmerksam und unterschlägt geflissentlich, dass sie die Verantwortung für das, was in dieser Republik passiert, in gehörigem Maße mitträgt. Schließlich wird das Verkehrsministerium ja von ihrem Parteifreund, Herrn Dobrindt, geführt. Und das gilt für viele Politikfelder. Die jungen Wähler will sie mit ihrer Aussage, dass Computerspiele Kulturgüter sein können, für die CDU gewinnen. Mit solchen Aussagen kann sie nichts falsch machen. Nettes Geplaudere. Und die Wähler fallen drauf rein.

Seehofer gibt den bayerischen Löwen, der brüllt und der seine Nase in den Wind steckt, um zu erfahren, woher des Volkes Stimme weht. Eigentlich dürfte man diesen Mann nicht mehr ernst nehmen. Aber, er ist mit seiner Strategie erfolgreich. Dass das Wahlvolk und die eigene Partei diesen Politiker nicht aus dem Verkehr ziehen, spricht weder für die Partei noch für das Wahlvolk.

Schulz versucht es jetzt mit konkreten Inhalten und scheitert immer wieder aufs Neue. Es ist ja auch grotesk, wenn ein Kandidat mal für mal betont, dass er sich trotz sinkender Zustimmungswerte noch Chancen auf das Kanzleramt ausrechnet. Die Menschen spüren, dass hier jemand am Werk ist, der offensichtlich unter Realitätsverlust leidet. Interessant ist dabei, dass er auch auf jenen Politikfeldern, z.B. Nordkoreakonflikt, punkten will, wo er überhaupt keinen Einfluss hat. Einfach nur lächerlich.

Die Grünen haben den Hofreitereffekt noch nicht überwunden und stagnieren bei mageren einprozentigen Werten.

Auch die Linke stagniert und kommt nach dem Abgang Gysis nicht mehr vom Fleck. Mit ihrem Slogan des Bleiberechts für alle liegen sie so entgegen dem Trend, dass sie wohl den Status der drittstärksten Partei verlieren werden. Vielleicht können sie die eine oder andere Stimme von der SPD holen. Das ist ihre einzige Chance.

Die FDP ist die Partei, die sich erstaunlicherweise wieder in die Nähe der 10 Prozent schiebt. Sie haben ihre Personalquerelen überwunden und das wird anscheinend von den Bürgern honoriert. Ihr Vordenker Lindner fordert auf riesigen Wahlplakaten mehr Bildung. Mit diesem Thema wollen die Freidemokraten punkten. Wie das genau gehen soll, weiß ich nicht, da Bildungspolitik noch immer in erster Linie Ländersache ist. Da macht sich einer für etwas stark, was gar nicht zur Debatte stehen kann. Auf Grund des Kooperationsverbots dürfen nämlich Bund und Länder in der Bildung auf dem Gebiet des Schulwesens gar nicht zusammenarbeiten. (Anders im Hochschulbereich)

Und die AFD lebt von den Attentaten. Das Attentat in Spanien hat sie gleich mal wieder um zwei Punkte nach vorne geschoben, trotz der sehr gewöhnungsbedürftigen Personalpolitik. So haben sie ihr Zugpferd, Frauke Petry, einfach geschlachtet und fragwürdige Rechte hofiert. Wenn kein weiteres Attentat folgt, kann die AFD die gewonnenen Punkte schnell wieder verlieren.

Alles in allem ist das Personaltableau, das sich hier zur Wahl stellt, nicht der große Hit. Und weit und breit keine Alternative in Sicht. So ist auch SIE alternativlos. Richtige Revolten wird es in diesem Land nie geben und Veränderungen nur, solange alles beim Alten bleibt. Kein Wunder, dass die Zahl der Nichtwähler immer größer wird.

Andreas Angermeir

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