Gier

Paulus verweist in der Bibel auf die Gier als einem Grundübel. Auch Buddha weist immer wieder darauf hin, dass nur das Aufgeben des Begehrens die Lösung allen Leides ist. Damit haben wir schon zwei Religionen – das Christentum und den Buddhismus -, welche die Gier als Grundübel ausmachen. Ich habe gestern bei Laotse in dessen Tao de King im ersten Kapitel folgenden Satz gefunden: „Das Unnennbare ist das ewig Wirkliche.“ …. und weiter: „Frei von Begierde, erkennst du klar das Geheimnis. In Begierde verstrickt, siehst du nur die Erscheinungsformen.“

Da es unglaublich schwierig ist, frei von Begierde zu sein, erkennen also nur wenige das Geheimnis. Das Geheimnis erkennen, heißt erleuchtet zu sein. (Mir fällt leider nur der inzwischen inflationäre Begriff „erleuchtet“ ein.) Da es kaum Erleuchtete gibt, gibt es auch nur wenige, die frei von Begierde sind. Wie zentral wichtig es für Laotse ist, die Gier als Grundübel zu benennen, kann man daran festmachen, dass er die Passage über das Begehren in das erste Kapitel, also an den Anfang seines Buches stellt. Auf Grund der Schwierigkeit der Aufgabe wird die Menschheit wohl noch für lange Zeit in dieser Gier verhaftet bleiben. Die Gier zu überwinden muss das große Ziel der Menschheit sein. Realistisch betrachtet sind wir vermutlich noch Äonen von unserem Ziel entfernt.

Der einzelne kann dieses Ziel wohl nur im Laufe oder auf den letzten Etappen des Lebens erreichen, und das auch nur unter einem gewaltigen Kraftaufwand. Denn dafür ist ein gerütteltes Maß an Selbstdisziplin notwendig.  Wie ich oben erwähnt habe, geben uns das Christentum, der Buddhismus und der Taoismus jeweils einen klaren Hinweis. Damit wird in diesen drei Religionen oder Weltanschauungen das Ziel unserer Veränderung oder Transformation genau definiert. Leider kenne ich weder den Hinduismus noch den Islam gut genug, um die Gier in den dortigen Schriften als ursächlich für alles Übel belegen zu können. Bei Mohammed, der sich in diversen kriegerischen Auseinandersetzungen bereicherte, ist wohl eine derart strikte Ablehnung der Gier nicht unbedingt erkennbar.

Es wäre interessant, darüber zu reflektieren, ob die Erkenntnissprünge im eigenen Leben immer in Zeiten stattfanden, in denen man von der Gier relativ weit entfernt war. Ich selbst habe leider nicht das Gefühl, dass ich mich diesem Ziel auf direktem Weg nähern würde. Vielleicht nähern wir uns diesem Ziel in einer elliptischen Spirale, an dessen Ende das Ziel ist. Dort anzukommen würde ich als Heimkehren bezeichnen.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Weihnachtszeit – Andreas Angermeir

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