Political correctness

vor etwa 50 Jahren kamen einige Studentinnen und Studenten auf die Idee, die ihrer Meinung nach diskriminierenden Elemente aus der Sprache zu eliminieren. Es war die Zeit, als sich die Frauen emanzipierten und die Afroamerikaner sich gegen den Begriff Negerinnen und Neger wehrten. Das war gut so.

Heute werden auch Politikerinnen und Politiker daran gemessen, ob sie sich an die political correctness halten, wobei sich der Begriff der politcal correctness von der ursprünglichen Intension etwas entfernt hat. Ich habe das Gefühl, dass diese Verschiebung im politischen Geschäft dazu geführt hat, dass man die Dinge nicht mehr beim Namen nennen will, sondern sie in umständlichen Floskeln umschreibt oder dass man sich nur noch in bedeutungslosen Worthülsen ergeht. Dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump wird häufig vorgeworfen, sich nicht an die political correctness zu halten. Er sagt, was er sich denkt. Ich glaube, genau das ist das eigentlich Verwirrende an ihm. Wie kann man nur sagen, was man denkt?

Wozu political correctness führen kann, konnte man sehr schön an den diversen Koalitionsverhandlungen in Berlin sehen. Während die Parteien gegenüber der Öffentlichkeit political correctness wahrten und stets beteuerten, dass es ausschließlich um die Sache ginge, offenbarte der öffentlich gewordene Streit um die Personen letztendlich, dass es ganz wesentlich darum ging, wer welches Pöstchen übernehmen darf. Die meisten Bürger haben dieses Geschachere hinter den Kulissen und damit die Falschheit in dem ganzen Procedere sehr wohl durchschaut oder zumindest irgendwie gespürt.

Ich glaube, dass die Redensart „Außen hui und innen pfui“ den Kern des Problems mit der political correctness am besten trifft. Political correctness begünstigt auf jeden Fall den aalglatten, rhetorisch gewandten Politiker, die aalglatte rhetorisch gewandte Politikerin. Weniger – falsch verstandene – political correctness würde zu mehr Ehrlichkeit in der Politik führen. Im Übrigen würde es genügen, wenn man sich einfach daran erinnerte, dass der andere bzw. die andere auch ein Mensch ist, dem man mit Respekt zu begegnen hat.

Fazit: Der Begriff political correctness ist überflüssig. Er birgt sogar die Gefahr in sich, dass wir ständig überlegen, ob das, was wir sagen wollen und ob das, was auch mal gesagt werden muss, gesagt werden darf. Das unentwegte Abwägen würde das Leben noch komplizierter machen als es ohnehin schon ist. Ein faires Miteinander genügt, mehr braucht es nicht.

Andreas Angermeir

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