Giftgas in Syrien

Es ist immer schwierig, eine Sache zu beurteilen, die man nur vom Hörensagen kennt. Genau das ist bei den Giftgasanschlägen in Syrien der Fall. Ich unternehme hier den Versuch, einige Fakten und Argumente gegeneinander abzuwägen.

Da gibt es einerseits die Beteuerungen der Westmächte, dass Beweise für einen Giftgasangriff von Assad vorliegen. Mit Hinweis auf die Geheimhaltung werden diese Beweise aber nicht öffentlich gemacht.

Da gibt es andererseits die Dementis von russischer und syrischer Seite. Und da gibt es noch die Reportage des ZDF-Reporters Uli Gack, der in der heute-Sendung vom 20.04.18 – nach Gesprächen mit Einheimischen vor Ort – glaubhaft darlegte, dass der Giftgasangriff womöglich eine Inszenierung war. Uli Gack bekam dafür allerdings einen Rüffel vom Sprecher des ZDF (s. Focus online). Uli Gacks Darstellung passte wohl nicht in die Sichtweise des ZDF hinsichtlich des Syrienkonflikts.

Wem kann man glauben?

Erstens. Die Äußerungen des Westens erinnern mich an die Anschuldigungen gegenüber dem Irak vor dem Ausbruch des 2. Irak-Krieges. Diese waren erfunden und dienten nur der Rechtfertigung zum militärischen Eingreifen im Irak.

Zweitens. Welchen Grund soll Assad gehabt haben, kurz vor der Einnahme von Gutha Giftgas einzusetzen? Militärisch machte das keinen Sinn, da Assad mit einem Raketenangriff des Westens rechnen musste. Das wäre ein klassisches Eigentor gewesen.

Drittens. Die Rebellen konnten durch eine derartige Inszenierung Hilfe vom Westen erwarten, in der Hoffnung, den Kriegsverlauf vielleicht doch noch für sich entscheiden zu können. Die einzigen Nutznießer wären also die Rebellen gewesen.

Viertens. Wie ist es möglich, dass man mit über 100 Raketen nur so wenig Schaden anrichten kann? Da steckt doch Absicht dahinter. Man wollte offensichtlich den Schaden minimieren. Vermutlich hat man eingesehen, dass die Argumente für einen echten Schlag zu dürftig waren und es nur noch um Gesichtswahrung ging.

Fünftens. Ist es nicht unverantwortlich, eine Fabrik zur Produktion von Chemiewaffen mit Luftschlägen zu zerstören und mit den frei werdenden Giften viele Menschenleben zu gefährden?

Sechstens. Warum wollte man nicht die Ergebnisse der Kommission abwarten? Die Reihenfolge ist falsch. Man sollte zuerst prüfen und dann schießen (wenn überhaupt) und nicht umgekehrt!

Siebtens. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat festgestellt, dass die Angriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs völkerrechtlich nicht gerechtfertigt waren.

Fazit:

  • Die Aktion der Westmächte hatte vor allen Dingen das Ziel, den Konflikt noch weiter anzuheizen und Russland dabei zu provozieren.
  • Es war eine ungerechtfertigte Machtdemonstration gegenüber Russland.
  • Die militärische Zurückhaltung Russlands ist der in wenigen Wochen stattfindenden Fußballweltmeisterschaft geschuldet.
  • Der Nahe Osten bleibt der größte Konfliktherd weltweit.
  • Eine der nächsten Karten, die vermutlich gespielt wird, ist das Anheizen des Konflikts zwischen Saudiarabien/Israel und dem Iran.

Andreas Angermeir

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