Integration

Was ist Integration? Der Duden bietet mehrere Definitionen für das Wort Integration an. Zum einen ist Integration „die Eingliederung in ein größeres Ganzes“ und zum anderen ist Integration „die Verbindung einer Vielheit von Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit“.

Diese Definitionen vorausgesetzt, haben Parallelgesellschaften nichts mit Integration zu tun. Mit einer Einwanderung ist jedoch häufig die Bildung genau dieser Parallelgesellschaften verbunden. Ein Blick in die Geschichte lohnt sich. Aus Deutschland sind Hunderttausende von Menschen nach Osteuropa ausgewandert, in das damals noch habsburgische Ungarn, nach Rumänien (Siebenbürgen), in die Ostseeanrainerstaaten und nach Russland. Wirklich integriert haben sich diese Deutschen nie. Sie haben, soweit ihnen das irgendwie möglich war, ihre eigene Sprache und ihr Brauchtum beibehalten. Jahrhunderte später, nämlich im 20. Jahrhundert, sind sie in Scharen wieder zurückgekehrt in ihre angestammte Heimat, nach Deutschland. Von gelungener Integration kann man in diesem Fall sicher nicht sprechen. Sie sind ganz offensichtlich immer Fremde geblieben. Sie waren eine Minderheit in einem anderen Land.

Minderheiten gibt es überall auf der Welt. Viele dieser Minderheiten kämpfen um das Recht, als eigene Volksgruppe innerhalb eines Staates anerkannt zu werden. Sie wollen ihre Identität bewahren. Sie wollen sich nicht wirklich integrieren, sich vermischen mit der bereits vorhandenen Bevölkerung und dabei etwas Neues entstehen lassen. Fairerweise muss man dazu sagen, dass möglicherweise auch die Bereitschaft der angestammten Bevölkerung fehlt, sich mit den Neuankömmlingen zu mischen. Sie bleiben isoliert und Isolation ist das Gegenteil von Eingliederung in ein größeres Ganzes – wie es der Duden in seiner Definition fordert.

Ich darf hier an die russischen Minderheiten in Polen, der Ukraine und den baltischen Staaten erinnern oder an die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern Rumänien, Österreich, Ukraine und der Slowakei. Sie alle versuchen, ihre Eigenständigkeit zu wahren. Die USA machen in dieser Hinsicht eine Ausnahme, abgesehen von der vorangegangenen rücksichtslosen, gewaltsamen Landnahme der indianischen Territorien. Viele Einwanderer haben sich integriert, sie sind keine Deutschen, Schweden oder sonst etwas geblieben, sie sind Amerikaner geworden, wobei die Integration allerdings darin bestand, dass sich die europäischen Einwanderer zusammenfanden und einen Gegenpol zu anderen Einwanderern bildeten. Alle hatten sich auf eine Sprache geeinigt. Das war englisch.

Die Afrikaner jedoch, die man ins Land holte, sind auch heute noch in den Augen vieler US-Amerikaner ein Fremdkörper in ihrem Land. Die aufflammenden Rassenunruhen sind ein beredtes Zeugnis dafür, dass sich auch in den USA Parallelgesellschaften entwickelten. Auch die Hispanos bilden eine eigenständige Bevölkerungsgruppe, die weitgehend unter sich bleibt. In Süd- und Mittelamerika sind es die eingewanderten Südeuropäer, die sich nur zum Teil mit den Indios vermischten und sich eher als Oberschicht des eroberten Landes gebärdeten und noch gebärden. In Australien und Neuseeland blieben die eingewanderten Europäer weitgehend unter sich, nachdem sie die Ureinwohner dezimiert hatten. Oder denken wir an Burma und die Rohingyas. Man könnte die Aufzählung noch verlängern.

So richtig gelungen ist Integration, selbst wenn man einen Zeitraum von Jahrhunderten wählt, nur selten. Als eines der wenigen Beispiele für gelungene Integration wird häufig die Integration der Polen im Ruhrgebiet erwähnt. Aber auch das stimmt nur bedingt. Tatsache ist, dass nach einigen Jahrzehnten ein Drittel der ins Ruhrgebiet eingewanderten Polen nach Polen zurückging, ein Drittel ging nach Frankreich und das verbliebene Drittel blieb in Deutschland. Na ja.

Am ehesten gelingen kann Integration dann, wenn zumindest der religiöse Hintergrund als verbindendes Element vorhanden ist. Hatten die Eingewanderten eine andere Religion und bestanden sie auf der Aufrechterhaltung ihrer Religion, dann gelang die Integration nicht. Das zeigt, dass eine unterschiedliche ethnische Herkunft noch überwunden werden kann, kommt jedoch zu dem Unterschied in der Herkunft auch noch eine unterschiedliche Religion, dann wird Integration schier unmöglich – siehe Nordirland.

Was kann man daraus für unsere gegenwärtige Situation in Europa schließen? Die bei uns eintreffenden „Einwanderer“ haben andere ethnische Wurzeln, sie stammen aus einem anderen Kulturkreis und sie haben eine andere Religion. Eine echte Integration ist unter diesen Umständen nur schwer vorstellbar. Wären sie alle tolerante Buddhisten, könnte ich mir eine Integration noch vorstellen. Bei Muslimen kann ich mir das deshalb nicht vorstellen, weil es z.B. muslimischen Frauen nicht gestattet ist, einen Christen zu heiraten, und somit eine Vermischung a priori ausgeschlossen ist. Und auch deshalb nicht, weil es gemäß dem Koran die Aufgabe der Muslime ist, das Land der Ungläubigen in ein Land der Gläubigen zu verwandeln. Das heißt, wir müssten alle Muslime werden.

Die Forderungen des Islam an seine Gläubigen sind meiner Meinung nach ein K.O.-Kriterium für eine echte Integration. Das bringt mich zu der Aussage, dass die wichtigste Voraussetzung für eine Integration die Abschaffung aller Konfessionen wäre. Das aber ist eine Illusion. Viele Menschen in Deutschland messen der Religion nur noch eine untergeordnete Rolle zu. Das mag ein Grund dafür sein, dass viele glauben, die ankommenden Flüchtlinge könnten integriert werden. Für diese ist jedoch der Islam der wohl wesentlichste Inhalt ihres Lebens.

Eine Anmerkung dazu: Nach einem sechsjährigen Aufenthalt in einem muslimischen Land kann ich sagen, dass man mit Muslimen über alles streiten kann nur nicht über ihre Religion. Diese hat eine zentrale Bedeutung. Meine Freunde aus diesem muslimischen Land meinten, dass es von uns Deutschen sehr vermessen sei, zu glauben, dass man einen Muslim in unsere Gesellschaft wirklich integrieren könnte. Wir sollten also nicht den Versuch unternehmen, etwas leisten zu wollen, was nicht zu leisten ist. Was bleibt, sind Parallelgesellschaften. Das aber geht nicht gut.

Deshalb mein Fazit: Über kurz oder lang wird es zu Auseinandersetzungen kommen, wenn in einem Staatswesen Parallelgesellschaften existieren. Das gilt auch für Deutschland.

Andreas Angermeir

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