Trump – Putin – Helsinki

Als ich am 17.07.2018, also einen Tag nach dem Gipfeltreffen von Trump und Putin in Helsinki, die Presseschau vom BR 2 hörte, da traute ich meinen Ohren nicht. Das Treffen wurde von der deutschen Presse fast einhellig nach den Richtlinien eines Kampfes bewertet, so als wäre es bei dem Treffen nur darum gegangen, dem anderen zu zeigen, wer der bessere ist. Der Grundtenor aller Zeitungskommentatoren schien von der Angst beherrscht zu werden, dass die beiden sich vielleicht auf den Pfad der Aussöhnung begeben könnten; nach Jahren der Eiszeit wieder miteinander reden wollten. Ich hatte das Gefühl, dass die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren der Meinung ist, dass eine Aussöhnung mit Russland auf jeden Fall vermieden werden müsste. Nur kein Frieden, Kriegsrhetorik allerorten. Dass die Krim nicht den Stellenwert bekam, den sich die westlichen Medienvertreter gewünscht hatten, wurde als Preisgabe aller westlichen Werte durch Trump empfunden.

Hallo ihr Medienvertreter! Gab es da nicht auch die Eingliederung des Kosovo in den Westen, gab es da nicht die Drohnenkriege, die unsere amerikanischen Verbündeten überall in der Welt führten – und vielleicht immer noch führen? Und, da gibt es auch noch ein Guantanamo. Was für ein Nonsens, den Westen als gut und die Russen als böse hinzustellen. Wie auch die Motive der beiden – Trump und Putin – aussehen mögen, eine Annäherung des Westens an Russland kann für alle Beteiligten nur von Vorteil sein. Was ist denn so schlimm daran, wenn wir alle, Ost und West, an einer florierenden Wirtschaft partizipieren, wenn wir die Probleme der Welt ernst nehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen würden, um diesen Planeten in seiner ganzen Schönheit zu bewahren? Warum müssen sich die Medienvertreter ausschließlich an den negativen Aspekten der beiden Protagonisten Trump und Putin abarbeiten? Trump will nun mal gut dastehen und einen großartigen Deal aushandeln und Putin umwirbt den Westen, um sein Land nach vorne zu bringen. Warum ist diese Strategie so schädlich? Selbst wenn jeder der beiden für sein Land das Beste herausholen will – ich wünschte, Merkel täte das auch im Hinblick auf Deutschland -, so ist trotzdem eine Win-Win-Situation möglich, ein Vorteil für alle Beteiligten.

Die Zeitungskommentatoren haben sich am 17.07.2018 als kriegstreiberische Journalisten entpuppt, denen es offensichtlich gar nicht um Frieden geht. Ich habe noch nie eine derartige Selbstentlarvung des deutschen Journalismus erlebt wie an diesem Tag. Ich bin geradezu erschüttert darüber, was in den Köpfen unserer Meinungsmacher vor sich geht. Hoffentlich lässt sich die Bevölkerung nicht von den Medien verführen und lässt sich nicht in einen Krieg treiben, von dem die Medien dann sagen werden, dass sie ihn ja schon immer vorausgesehen hätten. Und sie werden verschweigen, dass sie ihn mit herbeigeredet hatten. Ich frage mich, ob es so etwas wie eine konzertierte Aktion im Journalismus gibt? Gibt es Vorgaben von oben? Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Wie sollte eine derartige Steuerung funktionieren? Der Tenor an diesem 17.07.2018 war aber so einstimmig, dass es für mich nur zwei Erklärungen gibt.

Entweder die Journalisten haben sich in ihrem Putinbashing gegenseitig so hochgeschaukelt, dass sie am Ende selbst glauben, was sie da schreiben oder es gibt wirklich einen von oben angeordneten Mainstream in der Presse. Das dazu notwendige Personal in den Redaktionsräumen hat man sich im Laufe der Jahre nach ganz bestimmten Kriterien in den Personalabteilungen der Verlage zusammengesucht, sodass es zu dieser einseitigen Meinungsbildung kommen konnte, ja kommen musste. Ich kann nur hoffen, dass dem nicht so ist. Das wäre das Ende einer objektiven, zumindest einer vielstimmigen Presse. Die Medien sollten sich auf ihr Hauptgeschäft, das Berichten, konzentrieren und die Meinungsbildung den Lesern überlassen und nicht einseitig eingefärbte Artikel in die Öffentlichkeit bringen.

Blickt man über den großen Teich, dann kann man feststellen, dass die dortige Presse genau so argumentiert wie hierzulande. Und wenn man sich die Reaktionen der amerikanischen Politiker anschaut, muss man feststellen, dass eine Aussöhnung mit Russland überhaupt nicht gewollt ist. Das Feindbild Russland trägt man wie eine Monstranz vor sich her. Umfragen zeigen, dass selbst die amerikanische Bevölkerung Russland als Bedrohung empfindet. Wer ist für dieses Feindbild verantwortlich?

War es nicht die Presse und waren es nicht die Politiker, die über Jahrzehnte hinweg dieses Bild immer wieder aufgefrischt haben? Wie kann denn ein Land wie Russland eine Bedrohung für die Nato sein, wenn die Nato etwa 20 mal soviel Geld für die Rüstung im nächsten Jahr ausgeben will wie Russland? Diese Welt ist verrückt, einfach nur noch verrückt. Wie kann Russland mit etwa 143 Millionen Menschen eine Bedrohung für die Nato sein, in der etwa 890 Millionen Menschen leben. Dazu kommt noch, dass die Länder der Nato eine wesentlich vitalere Wirtschaft haben als Russland. Russland ist gegenüber dem Westen wirtschaftlich und militärisch chancenlos. Also. Wem nützt dieses Feindbild? Ich weiß es nicht. Wissen Sie es?

Ciao – Andreas Angermeir

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Politik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.