Weber und AKK

Als ich vor etlichen Jahren eine Diskussion zwischen einem Moderator vom BR2, Zuhörern des bayerischen Rundfunks und einem Abgeordneten des europäischen Parlaments hörte, fragte ich mich, was für ein Typ dieser Abgeordnete eigentlich ist. Aalglatt, geschmeidig auf jede Frage eingehend. Ein echter Politiker, geschult im Nichtbeantworten von Fragen. Ein Herumlavieren und ein Geeierei, wie man es aus Talkrunden kennt. Es war der Abgeordnete Manfred Weber. Zwischenzeitlich wurde er von Jean Claude Juncker auf das Gleis des Kommissionspräsidenten gesetzt und ging voller Hoffnung in die Europawahl. Viele hielten ihn für den sicheren Nachfolger von Juncker. Er selbst wohl auch. Was fehlt ihm, dass er sich nicht durchsetzen konnte? Macron allein ist sicher nicht der Grund für das Scheitern von Weber. Weber erscheint meiner Meinung nach als zu weich. Ihm fehlt jene Härte und auch jene Gerissenheit, die man für einen derartigen Job ganz offensichtlich braucht. Nur jedem nach dem Mund zu reden, genügt nicht. Franz-Josef Strauß sagte einmal: „Everybodys Darling ist everybodys Arschloch.“ Weber wurde zurecht ins zweite Glied zurückbeordert.

Und was ist mit Annegret Kramp-Karrenbauer? Ich hielt sie, als sie noch Ministerpräsidentin im Saarland war, für eine fähige Politikerin. Im Gegensatz zu Weber ist sie auch bereit, Klartext zu reden. Sie ist in der Lage, eine Partei zusammenzuhalten, sie versucht Andersdenkende einzubinden. Und trotzdem wird sie nicht die nächste Bundeskanzlerin werden. Was fehlt ihr? Charisma! Und gut meinende Freunde. Merkel ist für AKK das größte Problem. Fotos, auf denen AKK und Merkel gemeinsam abgelichtet sind, lassen AKK als die kleinere Schwester von Angela erscheinen. Wer will schon die kleine Schwester als Kanzlerin. Ihre Körpersprache beweist dies: Ihre Kopfhaltung ist nicht gerade, sondern zur Seite geneigt. Sie signalisiert damit, dass sie bereit ist, die Rolle der Unterlegenen einzunehmen.

Und das zweitgrößte Problem für AKK ist Wolfgang Schäuble. Er wird mit allen Tricks versuchen, März an AKK vorbei in die Position des Kanzlerkandidaten zu schieben. Helfershelfer in der Partei hat er zu Hauf. Um das Gezerre um den Kanzlerposten zu gewinnen, müsste AKK ihre Ambitionen offener zum Ausdruck bringen. Mit Fairplay alleine geht es nicht. Dazu sind ihre Gegenspieler zu gerissen. Auch in der Kleidung müsste sie sich noch mehr von Merkel absetzen. Ein Blick in Richtung der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner würde AKK gut tun. AKK braucht in ihrem Äußeren mehr Dynamik, sowohl was die Körpersprache als auch was die Kleidung betrifft. Und sie muss zeigen: Ich will Kanzlerin werden. Sie muss auf Angriff umschalten!!

Andreas Angermeir

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