Mondlandung – Aufbruch ins Zeitalter menschlicher Hybris

50 Jahre ist es her, dass Neil Amstrong als erster Mensch den Mond betrat. Das war ein oder besser das Symbol dafür, dass die Menschen alles erreichen können. Die Botschaft lautete: wer zum Mond fliegen kann, für den ist alles machbar. Diese Mondlandung gab der menschlichen Hybris einen gewaltigen Schub. Kurz zuvor hatte man die erste Herztransplantation durchgeführt. Ein Schritt hin zur Unsterblichkeit. In den folgenden Jahrzehnten überschlugen sich die Meldungen. Alles schien möglich zu sein. Der Homo sapiens hatte alles im Griff. Computer in all ihren Facetten entwickelten sich in einem atemberaubenden Maß. Heute offerieren Quantencomputer neue Möglichkeiten in der Datenverarbeitung, sodass das autonome Fahren Wirklichkeit werden kann. Unsere Fortschritte bestärken die Menschheit in dem Wahn, dass sie alles beherrschen könnte.

Auf der Strecke blieb die Umwelt. Als ich vor 50 Jahren die 120 km von München zu meinem heimatlichen Wohnort zurücklegte, war die Windschutzscheibe mit Insektenleichen übersät. Heute sind es deutlich weniger als damals, ganz offensichtlich deshalb, weil es immer weniger von diesen kleinen Tierchen gibt. Wir alle kennen die Debatten um Plastikmüll, Waldsterben, Elektrosmog usw.

Wir kennen die Fakten und es macht wenig Sinn, sie wieder aufzuwärmen und darüber zu lamentieren. Es gilt, Ursache und Wirkung sorgfältig zu analysieren und entsprechende Schlüsse zu ziehen. Die vorgeschlagenen Antworten machen allerdings deutlich, dass man den durch unseren Fortschritt verursachten Schaden durch noch mehr Technik wieder gut machen will. Ich glaube, dass dies ein Irrweg ist, der in eine Spirale immer größerer Zerstörung mündet.

Allein schon die Aussage von Elon Musk, 12.000 Satelliten ins All schießen zu wollen, um das autonome Fahren zu ermöglichen, lässt mich schaudern. Auch die Überlegungen, den instabil gewordenen Eispanzer der Westantarktis durch riesige Schneekanonen wieder zu stabilisieren, verstehe ich nicht mehr. Andere wollen riesige Segel im All aufspannen, um die Sonneneinstrahlung auf der Erde zu steuern. Ein anderer möchte die Wüsten bewässern und somit den sich bereits vollziehenden Anstieg des Meerwassers eindämmen.

Das alles klingt nach einem neuen Turmbau zu Babel. Ob all diese Projekte durchführbar sind, kann man bezweifeln. Man denke nur an Masdar. Im Emirat Abu Dhabi sollte eine absolut CO2 neutrale Stadt bis zum Jahr 2016 fertiggestellt werden. Doch die Fertigstellung verzögert sich immer mehr, obwohl für dieses Prestigeobjekt Geld in Hülle und Fülle vorhanden ist.  Die Fertigstellung wurde jetzt für 2030 prognostiziert. Wenn es Abu Dhabi nicht schafft, wie sollen es dann andere Wüstenstaaten schaffen?!

Dabei liegt die Lösung doch auf der Hand: weniger Ressourcenverbrauch anstatt immer mehr. Das ist nur dann möglich, wenn das Bevölkerungswachstum mittelfristig verlangsamt und langfristig gestoppt wird. Die Menschheit sollte sich weltweit auf eine Ein – oder Zweikindfamilie als Durchschnittsfamilie einigen, selbst wenn es eine Zeit dauert, bis die Effekte spürbar sind. Das ist die einzige nachhaltige Lösung. Alles andere wird nicht funktionieren. Die Erde ist nun mal eine Kugel, deren Oberfläche nicht vergrößerbar ist. Ist es denn so schwierig, das zu verstehen?

Ich meine übrigens nicht, dass wir uns von jeglicher Technik verabschieden sollten. Ganz im Gegenteil: Nur mit einer sich stetig weiterentwickelnden Technik wird die auf Grund der Bevölkerungspyramide ohnehin wachsende Bevölkerung überleben können, ohne dass allzu große Einbußen an Lebensqualität hingenommen werden müssen.

Andreas Angermeir

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