Die grünen Lungen unseres Planeten

„Unser Haus brennt.“ schrieb Macron und drohte – zusammen mit Tusk – ganz im Stil des Besserwissers und Gutmenschen dem Brasilianer Bolsonaro Sanktionen an. Bolsonaro wiederum konterte und empfahl die Aufforstung der Wälder in Europa. Grundsätzlich ist zur grünen Lunge anzumerken, dass die auf dem G7 in die Welt gesetzten Werte für die Sauerstoffproduktion des Amazonasgebietes mit großer Sicherheit nicht stimmen. Im Amazonasgebiet werden nicht 20%, sondern maximal ca. 6% des Sauerstoffs produziert. Manche Experten gehen von noch weniger aus. Es geht weniger um die Sauerstoffproduktion als vielmehr um die Speicherung von Kohlenstoff durch die Bäume.

Mit diesen zwei Sätzen wird das Dilemma der Klima – und Umweltrettung sehr schön beschrieben. Wer macht den Anfang? Oder will man nur immer mit dem Finger auf den anderen zeigen? Wie Macron, so hat auch Bolsonaro Recht. Würde man in Europa alle Kohlekraftwerke schließen und tatsächlich einen Teil des Ackerlandes wieder aufforsten, dann wäre das ein gewaltiger Beitrag zur Verminderung des CO2 Gehalts.

Ich darf an dieser Stelle daran erinnern, dass die Europäer in den letzten Jahrtausenden ganze Regionen in Europa ausgebeutet und zerstört haben. Den anderen Ländern will man nun verbieten, genauso zu handeln, wie wir das über Jahrhunderte getan haben. Auf Einsicht zu setzen, ist vermutlich Utopie. Der Ressourcenverbrauch geht ungehindert weiter. Die Welt marschiert weiter in die falsche Richtung. Das Bevölkerungswachstum erfordert noch mehr Ackerland. Es sind ja nicht nur die Sojafarmer in Brasilien, es sind auch viele kleinere Bauern, die jeden Tag um die Ernährung ihrer Familien kämpfen und um jeden Quadratmeter Land froh sind, den sie dem Urwald abtrotzen können.

Mir wäre es auch lieber, wenn man das Amazonasgebiet in seiner Ursprünglichkeit erhalten könnte. Ich würde sogar noch weiter gehen und fordern, dass große weitgehend unberührte Gebiete auf der Erde unbedingt erhalten bleiben müssten. Und zwar nicht nur, um den Klimawandel zu stoppen, sondern auch, um die Artenvielfalt zu erhalten. Wenn es uns gelingt, große Naturschutzgebiete auszuweisen, wird das Überleben der Menschheit gesichert sein. Hier nur an das Amazonasgebiet zu denken, wäre zu kurz gesprungen. Diese naturbelassenen Zonen muss es auf allen Kontinenten, also auch in Europa geben. Wenn nun Trump darüber nachdenkt, auch in Alaska weite, noch unberührte Gebiete für den Abbau von Rohstoffen und für das Abholzen des Waldes frei zu geben, dann ist das höchst kontraproduktiv. Es muss ein Konsens auf UN-Ebene gefunden werden, in dem sich alle Staaten zum Einrichten solcher Naturschutzgebiete verpflichten. Die Vereinten Nationen müssten vorgeben, welcher Prozentsatz an unberührter Natur in einem Land vorhanden sein muss, damit wir Menschen mit unserer Umwelt überleben können. Leider wird das Einrichten solcher Schutzzonen nie Realität werden.

Das Erschreckende an der gegenwärtigen Situation ist, dass sich trotz der Warnungen des Club of Rome und trotz des Wissens bezüglich der Folgen der Umweltzerstörung in den letzten 50 Jahren nicht viel getan hat. Dabei gibt es sicher Positives zu vermelden: dazu gehört die Verbesserung der Wasserqualität in deutschen Gewässern oder die Einführung des Katalysators weltweit. All diesen Erfolgen stehen aber gravierende Verschlechterungen gegenüber wie z.B. die Ausbreitung von Microplastik in Boden, Wasser und Luft. Insgesamt hat sich die Situation eher verschlechtert als verbessert. Ich kann nur wiederholen, was ich an dieser Stelle schon öfters geschrieben habe: Wenn wir das Bevölkerungswachstum und die Gier nach immer mehr nicht in den Griff bekommen, steuern wir auf eine Katastrophe zu.

Andreas Angermeir

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