Söder und die Coronapanne

Vor ein paar Tagen durfte ein Mitarbeiter von br2 einen Kommentar abgeben. Der diplomierte Journalist schüttete Häme über Söder und Co wegen der Pannen aus, die beim Testen von Tausenden von Urlaubsrückkehrern passierten.

Ja, es war sicherlich kein Meisterstück, das man hier erleben konnte. Und, das entstandene Chaos war irgendwie vorhersehbar. Das Corona-Virus ist ein völlig unberechenbarer Gegner, dem man mit größter Flexibilität begegnen muss. Dem steht mit den Gesundheitsämtern ein Staatsapparat gegenüber, der zwangsläufig wie alle staatlichen Institutionen, unflexibel, ja starr ist. Das konnte und kann nicht gut gehen. Man hätte vielleicht aus der Flüchtlingskrise lernen können. Damals prallten die unkontrollierten Flüchtlingsströme ebenfalls auf eine starre Verwaltung. So wie damals musste es auch jetzt wieder zu einem Chaos kommen. Staatliche Verwaltungen brauchen viel Zeit, bis sie sich organisiert haben und sich dann mit neuen Verordnungen, die eingeübt werden müssen, auf eine veränderte Situation einstellen können.

Wenn man Herrn Söder etwas vorwerfen kann, dann das, dass er diese grundsätzliche Unvereinbarkeit von starrer, staatlicher Institution und unvorhergesehenen Ereignissen, die ein höchst flexibles Reagieren erfordern, nicht erkennt, zumindest nicht erkannt hat. Die einzige Möglichkeit für ein korrektes Handeln wäre das Nichthandeln gewesen. Söder hätte dem Staatsapparat mehr Zeit geben müssen, sich auf die neue Situation einzustellen, anstatt in Windeseile Teststationen aufzubauen, deren Ergebnisse in der erbrachten manuellen Form nicht aufgearbeitet werden konnten.

Der Beamtenapparat im Gesundheitswesen ist per se zu schwerfällig, als dass er adäquat reagieren könnte. Das ist die Lehre, die man aus der Corona-Panne in Bayern lernen kann: Ein klares in sich schlüssiges Konzept entwickeln, die Strategie ausprobieren und optimieren, die dafür zuständigen Institutionen entsprechend auf die neue Situation einstellen und dann das Startsignal geben. Gut, dass die Schwäche des Systems in aller Deutlichkeit aufgetreten ist. Die Heftigkeit der hervorgerufenen Reaktionen wird die Verantwortlichen in Zukunft hoffentlich vor ähnlichen Schnellschüssen warnen. Wenn schnelles Handeln erforderlich ist und die staatlichen Institutionen offensichtlich überfordert sind, dann muss man notfalls eben auf private Anbieter zurückgreifen.

Und was hat das alles mit dem Kommentar des br2 zu tun. Der diplomierte Journalist ist offensichtlich nicht in der Lage, diesen oben beschriebenen, systemischen Fehler zu erkennen. Stattdessen überlässt er sich ganz seinem journalistischen Jagdinstinkt und verfolgt blind seine Beute, die Pannenverursacher, die er in seinem Zielfernrohr ausgemacht hat und die er nun erlegen will. Er drischt besserwisserisch auf Söder und Co ein. Was der Mitarbeiter im br2 in seinem Kommentar ebenfalls nicht erkannt hat – zumindest ist es in seinem Kommentar unerwähnt geblieben, ist die Tatsache, dass in den anderen grenznahen Bundesländern – Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Saarland usw. – an den Landesgrenzen überhaupt nicht getestet wird.

Da fahren die Corona-Infizierten über die Grenzen und keiner nimmt Notiz davon. In Bayern sind die Infizierten, wenn auch verspätet, benachrichtigt worden. In den anderen Bundesländern können sie gar nicht benachrichtigt werden, weil man sie überhaupt nicht erfasst hat. Der Kommentator von br2 muss noch einiges lernen, vor allen Dingen etwas mehr Objektivität.

Andreas Angermeir

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