Homeschooling

An unserer Schule haben die Schüler genau eine Stunde Distanzunterricht pro Tag. Und selbst in dieser Stunde gibt es erhebliche Schwierigkeiten mit der Software. Ginge es auch anders?

Ich schlage vor, dass man zu jeder Unterrichtseinheit einen kleinen Film produziert, in dem der Lerninhalt erläutert wird. Einfach ausgedrückt: Eine Unterrichtsstunde – am besten mit einer Handvoll Schülern, die dann zur Auflockerung auch ein paar Fragen stellen – wird gefilmt und in eine Mediathek gestellt. Auf diese Art kann der gesamte Lehrplan abgebildet werden. In einer Mediathek wäre somit für jedes Fach für jede Unterrichtsstunde eine Sequenz vorhanden. Auf diesen Pool an Sendungen haben alle Zugriff, die Internet haben.

EinE KlassenlehrerIn könnte in Absprache mit den Kollegen aus diesem Pool für ihre Klasse – z.B. Klasse 8 – den Stundenplan für die gesamte Woche erstellen. Montag 1. Stunde: Mathematik, Algebra, Binomische Formeln, 1. Teil – Montag 2. Stunde: Englisch usw. Jede Stunde im Stundenplan wäre m it einem Link verbunden, der auf die oben erwähnte Unterrichtseinheit verweist. Die Hausaufgaben könnten von den Fachlehrern mitgeliefert werden. Aber auch diese könnte man über eine Mediathek ins Netz stellen und später dort besprechen.

Um den Kontakt mit den Schülern nicht zu verlieren, können die Fachlehrer am Nachmittag per Telefon oder Videokonferenz mit den Schülern Unklarheiten beseitigen.

Es würde genügen, wenn man die Hälfte der Schüler auf diese Art und Weise im Homeschooling versorgen könnte. Damit hätte man genügend Räume in den Schulen geschaffen, sodass dort ein Präsenzunterricht für den Rest der Schüler oder für die Abschlussklassen stattfinden könnte. Jede Klasse könnte man auf zwei Räume aufteilen, wobei in dem einen Raum der Lehrer tatsächlich unterrichtet, während im anderen Raum genau dieser Unterricht über einen Fernseher eingeblendet wird. Durch den oben erwähnten Distanzunterricht hätte man möglicherweise sogar genügend Lehrpersonal zur Verfügung, sodass auch im zweiten Raum ein Lehrer Aufsicht führen könnte.

Apropos Hausaufgabenhilfe: Da es in jeder Klasse eine Handvoll sehr guter Schüler gibt, könnte man diese Schüler mit den Musterlösungen der Hausaufgaben versorgen. Diese Schüler sind dann wiederum die Ansprechpartner für andere Schüler, denen sie beim Lösen der Aufgaben helfen. In diesem Frage-Antwortspiel lernen die Schüler sowieso am meisten.

Das ganze auf einer Mediathek basierende System zu installieren ist nicht so aufwändig, wie es hier erscheinen mag. Hätte es doch darüber hinaus den Vorteil, dass man auch außerhalb der Coronazeiten für kranke Schüler, die am Unterricht verhindert sind, eine sehr gute Lösung für versäumten Unterricht anbieten könnte.

Wenn man das Erstellen der vielen Unterrichtseinheiten auch noch auf die einzelnen Bundesländer verteilt, dann ist das Ganze nur noch ein organisatorisches Problem, das mit gutem Willen lösbar sein müsste. Wie das funktionieren könnte, haben die BBC in England mit dem Programm „Bitesize“ vorgeführt.

Bei Bitesize hat man die Mediathek so gelöst, dass man zuerst einmal unter einem „Bundesland“ auswählt, also England, Nordirland, Schottland oder Wales. Dann wird das Level abgefragt – bei uns so etwas wie Mittelschule, Realschule, Gymnasium usw. Dann kann man das Fach und die Jahrgangsstufe wählen und innerhalb des Fachs den Stoff: z. B. Binomische Formeln, Pythagoras usw. Ach ja und dann kann man bei der BBC auch noch zwischen vier Sprachen wählen, Englisch und drei Variationen keltischer Sprachen, schottisches, irisches oder walisisches Gälisch.

Aber schauen Sie selbst einmal rein. Es lohnt sich. Andreas Angermeir

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